House of Boys
Luxemburg/Deutschland 2009, 113 Minuten
Regie: Jean-Claude Schlim
FSK: ab 12 (? - noch unbekannt)
Frank hat es als 18-jähriger, lebenshungriger Homosexueller im Luxemburg von 1984 nicht leicht. Bald verlässt er seine Freunde und das spießige Elternhaus um im weltoffenen Amsterdam sein Glück zu versuchen. Dort lässt er es erst mal richtig krachen, bevor er im Stripladen "House of Boys" Unterschlupf findet. Unter der Fürsorge von Emma zieht er in die Variété-Kommune und verliebt sich in den bisexuellen Jake, der jedoch eine Freundin hat. Zwar kann er dennoch bald Jakes Herz erobern, doch dann erkrankt dieser an Aids.
Wie der Luxemburger Filmprofi Jean-Claude Schlim in seinem Spielfilmdebüt ein stimmungsvolles Zeit- und Sittenportrait entwirft, ist über weite Strecken klasse Arthauskino. Mit Gossencharme geerdet, geht die Geschichte vom Erwachsenwerden hemmungslos in die Vollen, vereint große Gefühle, schräges Kabarett, heiße Disco- und EBM-Musik sowie nackte Männerkörper zu einem tabulosen Bildnis einer vergangenen Parallelwelt. Auf etwaige Befindlichkeiten und Berührungsängste heterosexueller Zuschauer wird keine Rücksicht genommen. Sündige Aussichten und manierierte Tunten sind mit großer Selbstverständlichkeit mitten in einer emotionalen Achterbahnfahrt, die Schlim jedoch mit etwas Distanz inszeniert und mithin eine Soap Opera vermeidet. Ihm gelingt eine wunderschöne Ballade, aus der sich eine Liebesgeschichte schält, die den Kern der nun folgenden Elegie bildet. Denn Jake siecht so unprätentiös wie ungeschminkt, was an Drastik das Aids-Drama "Philadelphia" um einiges hinter sich lässt. An seiner Seite steht nicht nur ein ausdrucksstark und hingebungsvoll spielender Layke Anderson, sondern fast die ganze Kommune, die wie eine schrille, aber liebenswerte Familie zusammenhält. Ein trotz vereinzelter Längen herzzerreißendes Erlebnis für aufgeschlossene Kinogänger.
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