"Aufgedreht - Jugendfilmtage in Oberhausen"-Programme

2007     2008     2009


Hangtime

Deutschland 2009, 94 Minuten
Regie: Wolfgang Groos
FSK: ab 12

Vinz macht gerade sein Abitur und ist das größte Talent der Basketballmannschaft von Phoenix Hagen, die kurz vor dem Aufstieg in die Bundesliga stehen. Und sein zwölf Jahre älterer Bruder Georg setzt alles daran, Vinz ganz groß rauszubringen. Der Ehrgeiz kommt nicht von ungefähr. Denn nach dem tragischen Unfalltod der Eltern hat er damals seine eigene Basketballkarriere geopfert, um sich um seinen kleinen Bruder zu kümmern. Jetzt will Georg das, was ihm einst verwehrt blieb, mit Vinz schaffen. Doch der hat ganz andere Pläne.
In dem von Sönke Wortmann produzierten Coming-of-Age-Drama geht es Regiedebütant Wolfgang vordergründig um Basketball - Groos realisierte diese Szenen spektakulär mit deutschen Profisportlern - und hintergründig um die Selbstfindungsreise eines jungen Mannes, gespielt von Newcomer Max Kidd, den die gestrenge Filmfest-München-Jury des diesjährigen Förderpreises zum besten Darsteller kürte. Wie überhaupt das junge, unbekannte Ensemble (darunter Ex-Bravo-Girl Mirjam Weichselbraun) erfrischend unbekümmert aufspielt. Hervorragend in der Milieuschilderung und geschickt in der von Rap bestimmten Musikauswahl, erweist sich Groos allerdings ein wenig zu verspielt beim Gebrauch von allerlei Zeitraffern und Zeitlupen, Weißblitzen und zuckenden Bildern. Am Ende aber bleibt die gute, alte Basketball-Weisheit, die auch sinnbildlich für unser Leben stehen könnte, in Erinnernung: "Es gibt keinen leichten Weg zum Korb."

Themen: Identität, Kommunikation, Freundschaft, Werte
Unterrichtsfächer: Deutsch, Religion/Ethik, Sozialkunde

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Ein Teil von mir

Deutschland 2008, 88 Minuten
Regie: Christoph Röhl
FSK: ab 0

Eigentlich will Jonas es jedem immer nur recht machen. Als ihm jedoch eines Tages die ein Jahr ältere Vicky, ein halbvergessener Party-Flirt, einen Brief in die Hand drückt, ist sein Leben nicht mehr dasselbe – er ist über Nacht Vater geworden.
Mit Charme und gewitztem Einfallsreichtum bekommt Vicky Jonas schließlich dazu, sich die kleine Klara wenigstens einmal anzuschauen. Mit Vickys Beharrlichkeit und ihrem Einsatz um die Liebe des Kindes, lernt Jonas allmählich seine eigenen Bedürfnisse zu erkennen und Verantwortung für sein Leben zu übernehmen. 

Röhls Blick auf eine Generation, die ohne Väter aufwächst - die Mütter der zwei Protagonisten sind beide alleinerziehend - zeichnet sich durch viele atmosphärisch starke Situationen, die ganz ohne Worte auskommen, aus. Untermalt von Hermann Skibbes melancholischem Score wird so auf feinfühlige Weise das Innenleben der beiden jugendlichen Hauptdarsteller nach außen gekehrt. Dabei zeigen Grimme-Preisträger Ludwig Trepte und Karoline Treska (gehörte schon zum erweiterten "Welle"-Ensemble) viel Talent.

Themen: Abenteuer, Erwachsenwerden, Ethik, Freundschaft, Identität, Literaturverfilmung, Werte
Unterrichtsfächer: Deutsch, Religion/Ethik, Geschichte, Kunst, Philosophie

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Weltstadt

Deutschland 2008, 109 Minuten
Regie: Christian Klandt
FSK: ab 12

Ein Film über das Leben hinter der Horrormeldung – Christian Klandts Debüt Weltstadt zeigt 24 Stunden Leben in einer ostdeutschen Kleinstadt. In der Nacht geschieht Schreckliches..

Da sind Karsten und Till, die im Vollrausch dem Ort  zu zweifelhaftem, kurzlebigem Ruhm verhelfen. Karsten, von Gerdy Zint mit geballter physischer Präsenz gespielt, ist das Kraftzentrum des Films, ein Wüterich und Sadist, der sich selbst und seine Umwelt mit Hass betrachtet. So kifft und säuft er sich durch den Tag und beschimpft alles und jeden. Das Leben als ausweglose Folge von Verletzung gerinnt bei Karsten zum Bild, und das wortwörtlich. Eine blutige Narbe hat er sich in die Haut geschnitten, von Leberfleck zu Leberfleck, und nennt es sein „Selbstbild“.
Till ist der Widerpart zu Karsten, er ist der Romantiker, den es wegtreibt aus der Provinz. Nachdem er seinen Job als Azubi vom Malermeister gekündigt bekommt, beginnt er, von Flucht und einer Existenz in Berlin zu erzählen. Allein ihm fehlt der Mut, oder die Perspektive. Er träumt von einem anderen Leben, doch das besteht nur aus einer negativen Projektion der tristen Wirklichkeit.

In seinem Spielfilmdebüt Weltstadt widmet sich Regisseur Christian Klandt einem Tag im Leben der Bewohner seiner Heimatstadt Beeskow, Brandenburg. In der Nacht des 16. Juni 2004 setzten dort zwei Jugendliche einen im Park schlafenden Obdachlosen in Brand. Auch wenn der Vorspann auf die zugrunde liegende „wahre Begebenheit“ hinweist: Weltstadt fiktionalisiert den Stoff und vermittelt keine Rekonstruktion der Fakten. Im Film bleibt die Stadt namenlos, und die Handlung wird in einen kahlen Winter verlegt. Trister Alltag trifft auf Terror, und aus einem gewöhnlichen Abend entwickelt sich der plötzliche Schrecken. Die Lebensgeschichten der Protagonisten sind die Bestandsaufnahme einer von finanziellen und sozialen Nöten gezeichneten Gesellschaft. Sie erzählen von Arbeitslosigkeit, Zukunftsangst, Einsamkeit und Fluchtphantasien.

Themen:Identität, Toleranz, Gesellschaft, Kommunikation, Freundschaft
Unterrichtsfächer: Deutsch, Geschichte

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Summertime Blues

Deutschland 2009, 116 Minuten
Regie: Marie Reich
FSK: ab 6

Als sich die Eltern des 15-jährigen Alex scheiden lassen, steht die Welt des Teenagers Kopf: Die neue Freundin seines Vaters Steffen ist schwanger, seine Mutter Diana zieht mit ihrem neuen Freund Seth ins öde Südengland - und nimmt Alex mit. Der Heimwehgeplagte lernt erst Louie kennen und kurz darauf Seths Tochter Faye, die ihn total verzaubert.

Nach ihrem preisgekrönten Kurzfilm "Musik nur wenn sie laut ist" gibt Marie Reich mit dieser leisen Coming-of-Age-Story ihr Regiedebüt. Basierend auf Julia Clarkes gleichnamigen Roman setzt sie breit gefächert auf die Lebens- und Gefühlswelt Jugendlicher und auf ihren Hauptdarsteller François Göske, der schon in "Das fliegende Klassenzimmer" und "Bergkristall" sein Talent unter Beweis stellte.
Mit leichter Hand und melancholischem Unterton sind Unbill und Unsicherheiten eines Heranwachsenden inszeniert, der seinen Gefühlen noch nicht traut und wenn's um Mädels geht, alles falsch macht. Kein Wunder, dass ihn der "Summertime Blues" packt. Marie Reich gelingt ein atmosphärisch stimmiges Erstlingswerk, sie nimmt ihre jugendlichen Protagonisten ernst und verzichtet konsequent auf krude Teenie-Sexkomik oder kitschige Romantic-Comedy-Elemente. Die Jungen müssen noch lernen, Emotionen anzunehmen und auszudrücken, die Älteren haben beides verlernt.

Ein authentischer Film über Patchworkfamilien, den komplizierten Prozess des Erwachsenwerdens und die erste Liebe, die Suche nach einem Platz im Leben mit großer Identifikationsmöglichkeit für Jugendliche. Der lockere Umgang mit Problemen, der gut angerichtete Mix aus Tiefgang und zurückhaltendem Humor heben "Summertime Blues" von den 08/15-Filmen dieses Genres wohltuend ab. Zum Auf und Ab der Gefühlwogen passen der Soundtrack mit Musik des Komponisten Youki Yamamoto, der schon für Oliver Stone und John Williams orchestrierte, und die gut getimten Songs des Münchner Komponisten Jakob Anthoff ("Die wilden Hühner"), klassische Rockballaden, die zu Herzen gehen.

Themen: Identität, Toleranz, Gesellschaft, Kommunikation, Freundschaft
Unterrichtsfächer: Deutsch, Ethik

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Dorfpunks

Deutschland 2008, 93 Minuten
Regie: Lars Jessen
FSK: ab 12

Sommer 1984 ist der Punk dann doch noch ans Ostseestädtchen Schmalenstedt gelangt. Schulabbrecher Malte macht eine Töpferlehre und versucht ein echter Punk zu sein. Saufen und Raufen plus Rebellion gegen sein Spießerdorf mit Kumpels wie Fliegevogel und Sid reichen ihm bald nicht mehr. Also gründet er die Band "Warhead". Doch die amateurhafte Combo droht postwendend wieder unterzugehen.

Regisseur Lars Jessen ("Am Tag als Bobby Ewing starb") verfilmte Rocko Schamonis Kultroman über eine Jugend in den 80er Jahren, die vom Punk und der ländlichen Umgebung geprägt ist. In Sprache, Tonalität und Bild hat Jessen den Zeitgeist recht genau getroffen, seine junge Darstellertruppe macht ihre Sache gut.

Insgesamt mag der Film vielleicht zu zahm und glatt sein. Komisches Highlight ist auf jeden Fall die Suche nach dem Bandnamen. Der Musik- und Coming-of-Age-Film ist auch eine Art nordischer Heimatfilm.

Themen: Identität, Kommunikation, Freundschaft, Werte
Unterrichtsfächer: Deutsch, Religion/Ethik, Geschichte

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