LOVE, SIMON

US · 2018 · Filmlänge: 110 Min. · FSK: 0 · Drama · Darsteller: Nick Robinson, Katherine Langford, Alexandra Shipp u.a.

Simon Spier ist 17 und hat ein großes Geheimnis: Er ist schwul. Schon seit längerem wartet er auf den richtigen Zeitpunkt, seinen Freunden und seiner Familie davon zu erzählen, als er sich in einen Schulkameraden verliebt, der online und anonym von seiner Homosexualität berichtet. Simon nimmt Kontakt zu seinem nur als Blue bekannten Mitschüler auf, doch dann outet ihn dieser vor der ganzen Schule, indem er Simons Emails veröffentlicht...

Verfilmung des Young-Adult-Romans "Simon Vs. The Homo Sapiens Agenda" von Becky Albertalli.

Quelle: www.filmstarts.de

Auf den ersten Blick führt der siebzehnjährige Simon (Nick Robinson) ein Bilderbuchleben. Doch in ihm drin sieht es anders aus, denn Simon ist schwul und zu einem Coming Out konnte er sich bislang nicht durchringen. Erst als sich eines Tages ein Schulkamerad auf einem anonymen Blog outet, fühlt er sich zum ersten Mal verstanden. Der geheimnisvolle Unbekannte nennt sich nur ‘Blue‘ und fortan offenbaren sie sich Nacht für Nacht die intensivsten Gefühle, bis sie sich schließlich sogar ein wenig ineinander verlieben. Aufgrund einer Unachtsamkeit könnte Simons Geheimnis jedoch schneller als Licht kommen, als ihm lieb ist: Ein Klassenkamerad entdeckt die Chatverläufe und erpresst Simon fortan damit, diese öffentlich zu machen. Aus Angst davor geht Simon auf verschiedene Forderungen ein und bringt schon bald Chaos in seine Clique, denn der Erpresser will vor allem eines: mit seinem Schwarm verkuppelt werden, der wiederum in jemand ganz anderen verknallt ist…

Vor allem eine Sache scheint Greg Berlanti am Herzen zu liegen: Das Hinterfragen der Norm. Passend dazu trägt der Roman im Original den weitaus originelleren Titel „Simon vs. The Homo Sapiens Agenda“, was auch im Anbetracht des Films viel besser passt. Mit diversen kreativen Ideen – unter Anderem einer überragend inszenierten Bildmontage, die zeigt, wie sich hetero(!)sexuelle Jugendliche vor ihren Eltern outen – fängt Berlanti die innere Zerrissenheit seines Protagonisten hervorragend ein. Auf der einen Seite sehnt sich Simon nach einem normalen Erwachsenwerden, auf der anderen Seite weiß er, dass ein Outing ihm vermutlich das genaue Gegenteil einbrächte; Mobbing, Homophobie und Ausgrenzung thematisiert „Love, Simon“ zwar nicht direkt, aber unterschwellig und deutlich genug, um genau aufzuzeigen, wo für viele Homosexuelle die Hemmschwelle liegt, sich trotz eines stabilen Umfelds (wie auch Simon eines besitzt) zu ihrer Sexualität zu bekennen.

Die Romanautorin hat viele ihrer Erfahrungen als Psychologin in ihre Arbeit miteinfließen lassen. Das merkt man auch, denn sie und die für das Drehbuch verantwortlichen Autoren Elizabeth Berger und Isaac Apateker („This Is Us“) kennen die Gefühlswelten ihrer jungen Protagonisten ganz genau. Für sie macht es keinen Unterschied, ob Simon nun schwul, seine Freunde hetero sind, ob sie verklemmt oder offenherzig mit dem Thema Liebe umgehen. Was zählt, sind die Emotionen – und von denen hat „Love, Simon“ eine ganze Menge. Mithilfe punktgenau konzipierter, authentischer und sich jederzeit echt anfühlender Dialoge durchleben die Teens auf der Leinwand das komplette Spektrum an Emotonen. Gemeinsam mit ihnen durchlebt der Zuschauer das Herzklopfen, wenn man seinem Schwarm seine Gefühle gesteht, wenn diese Liebe erwidert wird und auch, wenn alles in sich einzustürzen scheint. Dass das so hervorragend funktioniert, obwohl in „Love, Simon“ zunächst alles eine Spur zu perfekt scheint, liegt an Details. Da ist der eigentlich so verständnisvolle Vater, der in einem unbedachten Moment homophobe Wörter benutzt. Da ist der Erpresser, der entgegen seines bösen Plans plötzlich eine richtig charmante Idee hat, um seiner Auserwählten zu mehr Selbstvertrauen zu verhelfen. Und dann ist da auch noch der merkwürdige Schuldirektor, von dem man nicht weiß, was man nun eigentlich von ihm halten soll. Hier liegen Lachen und Weinen nicht nur direkt nebeneinander, sie überlagern sich in vielen Momenten sogar.

„Love, Simon“ bricht den Gedanken vom Gut und Böse auf, gesteht jedem seinen Fauxpas zu, aber auch sein Happy End. In der Welt von Simon Spier passt alles zusammen – sogar eine perfekte Familie zu der Angst, sich vor dieser outen zu müssen. Völlig aus der Sicht Simons erzählt, ist in dessen Augen schließlich tatsächlich alles perfekt; bis auf die Tatsache, dass er eben schwul ist – und das bedeutet wiederum noch nicht einmal, dass er selbst nicht völlig mit sich im Reinen ist. Da kann ein Film auch schon mal haarscharf am Hollywoodromanzenkitsch vorbeischrammen und trotzdem immer noch wahrhaftig wirken. Gelacht, geweint, geträumt – „Love, Simon“ ist ohne Zweifel einer der besten Filme des Jahres!

Antje Wessels

www.programmkino.de

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