DIE VERFÜHRTEN

US · 2017 · Filmlänge: 93 Min. · FSK: 12 Jahre · Drama, Western · Darsteller: Colin Farrell , Nicole Kidman, Elle Fanning u.a.

Das Remake eines Clint Eastwood-Don Siegel Films, der durchzogen von Machismo ist, erwartet man nicht unbedingt von Sofia Coppola, die mit „Die Verführten“ erneut im Wettbewerb von Cannes eingeladen war und verdientermaßen mit dem Preis für die beste Regie ausgezeichnet wurde. Sie überzeugt stilistisch - Bilder, Ausstattung, Kostüme sind makellos - und seziert inhaltlich das Eigenleben einer von der Außenwelt abgetrennten Gemeinschaft. „Die Verführten“ ist eine Geschichte über Liebe, Eifersucht und Intrigen, über Verführung und Täuschung, angesiedelt in der Zeit des Amerikanischen Bürgerkriegs, hochkarätig besetzt mit Nicole Kidman, Kirsten Dunst, Elle Fanning und Colin Farrell. Intelligentes, subtiles Arthouse-Kino.

Quelle: www.programmkino.de

1864, West Virginia, ein Frontstaat während des amerikanischen Bürgerkrieges. Abgeschieden von den Schrecken des Krieges steht ein prachtvolles Herrenhaus, umgeben von dichten Wäldern, durch die morgens der Nebel streift. Hier betreibt Miss Martha Farnsworth (Nicole Kidman) eine Schule für Mädchen, doch angesichts der Weltlage wohnen nicht mehr allzu viele Elevinnen hier. Die älteste ist Alicia (Elle Fanning), doch es ist die junge Amy (Oona Laurence), die eines morgens beim Pilze sammeln auf den schwer verletzten Corporal John McBurney (Colin Farrell) trifft. Das dieser ein Soldat des Nordens ist, macht ihn im Südstaat West Virginia zwangsläufig verdächtig, doch die Nächstenliebe verlangt es, dass dem Verwundeten geholfen wird.

Bald schwirren alle Damen und Mädchen des Hauses um den Hahn im Korb, der die Aufmerksamkeit sichtlich genießt und mit seinem rustikalen Charme gefällt. Was allerdings nicht sehr schwer ist, denn nach Jahren des Krieges und der notgedrungenen Isolation sehnen sich die Frauen nach einem Mann. Besonders die Lehrerin Edwina (Kirsten Dunst) sieht in dem schmucken Soldaten die Möglichkeit, endlich aus der Isolation des Schulhauses zu fliehen.

War der verwundete Soldat in Don Siegels 1971 gedrehtem Original noch ein zynischer Verführer, wie ihn zumindest damals nur Clint Eastwood mit seiner unverwechselbaren Mischung aus Verführung und Kälte spielen konnte, ist er in Coppolas Version ein feiner Kerl. Nur aus Geldnot in der Armee gelandet ist Farrells McBurney eine passive Figur, die nicht nur äußerlich die meiste Zeit des Films zur vollständigen Bewegungslosigkeit verdammt ist, sondern auch innerlich keine Ränke schmiedet. Hier sind es die Frauen, die nicht an sich halten können, die McBurney umgarnen, sich von ihm verführen lassen bzw. sich einbilden, von ihm verführt zu werden. Den Frauen im Herrenhaus geht es augenscheinlich gut, sie leben in bukolischer Atmosphäre und sind rundum versorgt. Doch sobald ein männliches Wesen die Bühne betritt, wird die Dynamik des Haushaltes durcheinandergeworfen. Zwar entspinnt sich hier kein Eifersuchtsdrama, doch der Versuch, McBurney mit Zuwendungen und besonders hübscher Kleidung zu umschmeicheln, wirkt wie ein Wettbewerb um die Gunst des Mannes.

Als skeptischen Blick auf die Bedürfnisse ihres Geschlechts könnte man Coppolas Film verstehen, als Sezierung einer hermetischen Welt, die nur scheinbar im Lot ist. Erst das Eindringen eines Fremden, auch wenn dieser keinerlei Absichten verfolgt und schon gar keine finsteren, lassen zum Vorschein treten, was hier fehlt. Ein typisches Motiv Coppolas, sei es das Haus der Schwestern in „The Virgin Suicides“, die Welt des Hofs in „Marie Antoinette“ oder Hollywood in „The Bling Ring“, stets galt das Augenmerk der Regisseurin der Frage was passiert, wenn ein Element von außen in eine sich bislang selbst genügende Welt eindringt.

Intelligentes, subtiles Arthouse-Kino ist das, von unwirklicher Schönheit und – eine neue Facette in Coppolas Werk – einigem Humor.
 
Michael Meyns

Quelle: www.programmkino.de

AB 12 JAHREN / 93 MINUTEN