Vom Vom 10. bis 17. Dezember 2014  finden zum zenten Mal AUFGEDREHT JugendKinoTage Oberhausen statt.

Wie in jedem Jahr haben wir auch dieses Mal sehr unterschiedliche Filme, speziell für unser jugendliches Publikum zusammengestellt. Jeder der Filme nimmt uns auf seine ganz eigene Art in eine jugendliche Lebenswelt mit und fordert uns gleichzeitig auf zum Mitfiebern, Mitlachen und Nachdenken. Da alle Filme jahresaktuell sind gibt es auch dieses Mal garantiert wieder viel Neues auf der Kinoleinwand zu entdecken. Zu jedem Film bieten wir spannende Gespräche mit Gästen oder mit unserem Moderatoren-Team Sebastian und Nina.

HIRNGESPINSTER

Deutschland 2013
Buch und Regie: Christian Bach
Darsteller: Tobias Moretti, Jonas Nay, Stephanie Japp u.a.
Kamera: Hans Fromm
Länge: 96 Minuten
FSK: ab 12 J.
Altersempfehlung: ab 14 J.

Webseite/Trailer: http://www.hirngespinster.de

AUFGEDREHTcritics

Filmkritiker Workshop im Rahmen KULTUR MACHT STARK mit Schülern des Bertha-von Suttner-Gymnasiums

Wie gehe ich mit der Schizophrenie meines Vaters um? Kann mich die Krankheit auch treffen? Soll ich wirklich aus Verantwortung gegenüber meiner Familie meine eigenen Pläne und Wünsche für die Zukunft außer Acht lassen? Keine alltäglichen Fragen mit denen Simon Dallinger (Jonas Nay) in dem Film Hirngespinster von Christian Bach zu kämpfen hat. Gerade das und die ironische Erzählweise, die einen oft zum Schmunzeln bringt, machen es interessant in das Leben und in die eher ernsthafte Problematik des 20jährigen einzutauchen. Für Simon ist es ganz klar: ,,Ich wohne in einem Irrenhaus!“. Die Krankheit, die seinen Vater (Tobias Moretti) die Teilhabe an der eigenen Architekturfirma kostet, macht es der ganzen Familie nicht leicht. Die Lage spitzt sich zu, als der Familienvater im Rahmen einer Bewerbung für ein Projekt damit beginnt Entwürfe zu zeichnen. Der entstehende Druck führt zu immer häufigeren Krankheitsschüben. Simon kann die Tatenlosigkeit der Ärzte, denen die Hände gebunden sind, und das stille Hoffen seiner Mutter (Stephanie Jepp) auf Besserung nicht verstehen. Er übernimmt die Vaterrolle und sorgt für seine Familie. Vor allem um seine kleine Schwester Maja (Ella Frey) kümmert er sich liebevoll. Als die Frage in ihm aufkommt, ob die Krankheit bei ihm ebenfalls ausbrechen könne und seine Freundin Verena (Hanna Plan) die Stadt verlässt, wird Simon alles zu viel. Er steht nun praktisch alleine da mit seinem ,,permanenten Tanz um den Vulkan“, wie Drehbuchautor Christian Bach Simons familiären Alltag beschreibt. Die Thematik, die der Film behandelt, wird aufgelockert: ein Hund der die Haustür öffnet, ein Kampf mit einer Satellitenschüssel, ein familiäres Tapezieren des Hauses mit Alu-Folie, um dieses vor Strahlen zu schützen und die vielen ironischen Gags des schizophrenen Familienvaters sorgen für Lacher. Jedoch wird die Ernsthaftigkeit der Problematik nicht heruntergespielt. Die ruhige Atmosphäre, langsame Musik und ernsthaften und vor allem realistischen Dialoge kreieren Mitgefühl und Sympathie. Es wird klar, eine ganz normale Familie sind die Dallingers nicht, doch grade das und die herausragende Leistung der Schauspieler ist es, was die Charaktere so verdammt sympathisch macht. Weil mal im Ernst, wer ist denn bitte schon ganz normal? Hirngespinster, ein sehenswerter Film der zum Lachen und Weinen einlädt und dessen Spannung bis zum Ende andauert.

Themen: Familie, Erwachsenwerden, Kindheit/Kinder, Psychiatrie, Vorurteile, Gesellschaft, Krankheit, Verantwortung

Unterrichtsfächer: Biologie, Deutsch, Ethik, Psychologie, Religion, Sozialkunde/Gemeinschaftskunde



SCHÖNEFELD BOULEVARD

Deutschland 2014
Regie, Buch: Sylke Enders
Darsteller: Julia Jendroßek, Daniel Sträßer, Uwe Preuss u.a.
Länge: 110 Minuten
FSK: ab 12 J.

Altersempfehlung: ab 14 J.

Webseite/Trailer: http://www.schoenefeld-boulevard.de

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Filmkritiker Workshop im Rahmen KULTUR MACHT STARK mit Schülern des Bertha-von Suttner-Gymnasium

Ein paar Pfunde zuviel, beim Sport auf der Bank sitzen, von den Mitschülern gehänselt, unauffällige Schlabberklamotten … Cindy (JuliaJendronßek) verkörpert eine richtige Vorzeigeaußenseiterin. Man könnte meinen, Schönefeld Boulevard beschreibt „die“ 0815 Teenagerstory, in der sich das hässliche Entlein in zum Schwan entwickelt und auf einmal von allen gemocht und begehrt wird. Ganz so ist das jedoch nicht. Mit Witz und einer Überspitzung des typischen Normalo-Teenagers, aber auch mit Ernsthaftigkeit, zeigt der Film mal eine etwas andere Weise dem ständigen hintendran Stehen und der Rolle des hässlichen Entleins zu entfliehen.

Ein rührender Film über die 18-jährige übergewichtige Cindy, die durch verschiedene Schicksalsschläge und Erfahrungen lernt, sich selbst zu akzeptieren. Das Leben bei den Eltern ist eine Qual, selbst der eigene Vater schikaniert sie aufgrund ihres Gewichts. Das tägliche eintönige und karge Abendbrot lässt auf keine gute familiäre Atmosphäre schließen.

Cindy jedoch entreißt sich, sie merkt, dass auch ihre Freunde hinter ihrem Rücken über sie herziehen. Ein zentraler Ort des Films ist der fertig werdende, bis in die Gegenwart ja nicht mal fertiggestellte, Flughafen Berlin Schönefeld. Dieser Flughafen zeigt einen gewissen Stillstand, der auch in Cindys Leben wiederzukennen ist, bietet aber auch neue Einflüsse durch Ingenieure aus aller Welt, die in Cindys Leben treten. Der Wechsel zwischen dunkler Eintönigkeit und schon fast neogrellen bunten Farben zieht sich nicht nur durch Cindys Kleidungsstil sondern durch die Farbigkeit des ganzen Films und untermalt die jeweilige Gefühlslage der Hauptfigur. Ein witzig erzählter Film über die Pubertät und einem Weg mit seinem Leben fertig zu werden.



VIELEN DANK FÜR NICHTS mit Regisseur Stefan Hillebrand SKYPE-Gespräch

Schweiz / Deutschland 2013
Regie: Oliver Paulus, Stefan Hillebrand
Darsteller: Joel Basmann, Anna Unterberger, Nikki Rappel u.a.
Laufzeit: 95 Minuten
FSK: ab 6 J.

Altersempfehlung: ab 12 J.

Webseite/Trailer: http://www.vielendankfuernichts-film.de

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Filmkritiker Workshop im Rahmen KULTUR MACHT STARK mit Schülern des Bertha-von Suttner-Gymnasiums

Wer einen gelungenen deutschen Jugendfilm schauen möchte, ist bei Vielen Dank für nichts gut aufgehoben. In 95 Minuten erzählt dieser die Geschichte van Valentin (Joel Basman), einem Jungen der im Rollstuhl sitzt und von seiner Mutter gegen seinen Willen in eine Theater-AG für körperlich und geistig benachteiligte Menschen eingeschleust wird. Nach anfänglichem Protest beginnt er Freundschaft zu schließen mit seinem Zimmergenossen Titus (Bastian Wurbs) und dem körperlich und sprachbehinderten Lukas (Nikki Rappl). Zusammen mit seinen Freunden macht er viel Blödsinn und plant letztendlich einen Tankstellenüberfall, wobei das Ganze nicht so einfach ist, wie es zunächst scheint … Wie in jedem guten Jugendfilm darf auch hier ein Liebesdrama nicht fehlen. In dieser Hinsicht erfüllt der Film alle Erwartungen und bringt eine simple, aber umso ehrlichere Liebesgeschichte ein. Wer denkt: noch so ein Jugendfilm, der das Leiden eines Jugendlichen prophezeit und in einem langweiligen Durcheinander endet, der irrt. Die depressive Stimmung wendet sich schlagartig und mutiert zu einer unterhaltsamen, kreativen Komödie. Die authentischen Figuren und die optimistischen Weltansichten machen es dem Zuschauer unmöglich sich zu langweilen. Mit Selbstironie und Humor schafft es der Film durchgehend das Publikum bei Laune zu halten. Ein besonderes Lob gilt dem Hauptdarsteller Joel Basman, der seine Rolle sehr glaubhaft und sympathisch rüber bringt und es schafft, den ganzen Kinosaal zum lachen zu bringen. Die hellen, fröhlichen Farben und der Titelsong „Der Spast ist krass!“, gesungen von Rodrigo González (Bandmitglied von Die Ärzte), sind eine Freude für alle Sinne und schubsen den Spaßfaktor noch etwas in die Höhe. Die Dialoge hauchen dem ganzen dann Leben ein, auch wenn einige Gespräche ein ungelöstes Rätsel bleiben, da anscheinend jemand vergessen hat die gelegentlich dialektbehafteten oder schweizerischen Dialoge zu untertiteln.

Da „Vielen Dank für nichts“ einen Jugendlichen in den Mittelpunkt der Handlung stellt, ist er in erster Linie für Jugendliche ab 12 Jahren zu empfehlen. Der Film schließt jedoch keine Altersgruppe aus und kann durchaus für Erwachsene von Interesse sein. Mit einer leider selten so erzählten Weltsicht und Witz schafft er eine lockere Atmosphäre und lässt eine Positive Stimmung aufkommen.



BESSER ALS NIX

Deutschland 2014
Regie: Ute Wieland
Buch: Peer Klehmet, Ute Wieland, nach dem Roman von Nina Pourlak
Darsteller: Francois Goeske, Wotan Wilke Möhring, Anna Fischer u.a.
Länge: 95 Minuten
FSK: ab 12 J.

Altersempfehlung: ab 14 J.

Webseite/Trailer: http://besseralsnix-derfilm.de

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Filmkritiker Workshop im Rahmen KULTUR MACHT STARK mit Schülern des Bertha-von Suttner-Gymnasiums

Der Film „Besser als nix“ von Regisseurin Ute Wieland ist in erster Linie eine Komödie, jedoch kombiniert mit einer gehörigen Portion Dramatik. Im Mittelpunkt steht der etwas andersartige Tom (François Goeske), der es in seinem Leben bisher nicht so leicht hatte und sich nun auch noch einen Job suchen muss. Auf der Suche nach einem sicheren Arbeitsplatz verschlägt ihn das Schicksal, auch Arbeitsamt genannt, zu einem Bestattungsinstitut. Besser als nix, oder? Mit viel schwarzem Humor stellt er sich nun seiner gegenwärtigen Situation, denn gestorben ist bisher noch jeder. Obwohl es die Arbeitsplatzwahl und Toms Vergangenheit nicht nahelegen, ist der Film farblich doch recht hell und freundlich gehalten. Wir bekommen viele Einblicke in Toms Gefühlswelt, es fällt dem Zuschauer von daher nicht schwer sich in Tom hinein zu versetzen und auch seine seelische Entwicklung mit zu erleben. Die musikalische Untermalung der Gefühle in den Szenen ist passend gewählt.

Die Mission des Films scheint es zu sein, die Sichtweise auf den Tod zu verändern und seinen Leidträgern eine neue Sichtweise auf das Leben zu eröffnen und das einfach ganz gerade heraus, denn niemand nimmt hier fromm ein Blatt vor den Mund. Eine gesunde Portion Humor sollte der Zuschauer also mitbringen. „Besser als nix - Gestorben ist noch jeder“ ist ein sarkastischer Film über das Leben selbst und seine Kuriosität. Begleitet von schwarzem Humor wird die düstere Seite des Lebens erleuchtet.



UMSONST

Deutschland 2014
Regie: Stephan Geene
Darsteller: Vivian Daniel, Ceci Chuh, Elliot McKee u.a.
Laufzeit: 93 min.
FSK: ab 6 J.

Altersempfehlung: ab 12 J.

Webseite/Trailer: http://www.kino-zeit.de/filme/trailer/umsonst

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Filmkritiker Workshop im Rahmen KULTUR MACHT STARK mit Schülern des Bertha-von Suttner-Gymnasiums

Ein scheinbar gewöhnlicher Jugendfilm … oder doch nicht? Bei „umsonst“ darf sich der Zuschauer auf 92 Minuten Teenie-Drama freuen, und das ist durchaus positiv gemeint. Das volle Programm ist enthalten: Konflikte mit der Familie, Probleme mit Freunden, Alkohol- und Drogenkonsum, Besuche bei der Polizei und im Mittelpunkt die 16-jährige Aziza auf ihrem Selbstfindungstrip. Der Film gönnt dem Publikum keinen langsamen Einstieg, stattdessen wird es mitten ins Geschehen hineingeworfen.

Aziza (Ceci Chuh) bricht das Auslandspraktikum bei ihrem Vater in Portugal ab und kehrt unangekündigt nach Hause zurück, nur um dann festzustellen, dass ihre Mutter (Vivian Daniel) in ihrer Abwesenheit ihr Zimmer an einen Neuseeländer namens Zach (Elliott McKee) untervermietet hat. Die Gründe für Azizas Rückkehr werden sowohl der Mutter, als auch dem Zuschauer zunächst vorenthalten. Das Mädchen entwickelt sich im Laufe der Handlung und beginnt Grenzen auszutesten, macht Bekanntschaft mit der Polizei und vieles mehr. Die dokumentarische Kamera hier stellt eine Besonderheit dar und fängt schöne Stadtbilder von Berlin ein. Die gewählten Perspektiven sind ungewöhnlich und dennoch angenehm für den Zuschauer. Das Licht ist den jeweiligen Situationen angepasst und besonders die nächtlichen Szenen in Berlin sind ein Genuss für das Publikum. Die Musik unterstreicht die Stimmung und besteht teilweise nur aus einzelnen Klängen bzw. Perkussion. Das macht die Szenen interessanter und hebt den Film vom Durchschnitt ab. Die Dialoge und Monologe sind improvisiert. Oft unterhalten sich die Charaktere auf Englisch, hauptsächlich wegen des Neuseeländers, und die Gespräche sind nicht immer untertitelt. Wer kein Englisch versteht, wird zunächst kleine Verständnisschwierigkeiten haben, die beabsichtigte Aussage wird dennoch deutlich. Authentizität hin oder her, da die meisten Unterhaltungen zwischen Aziza und ihrer Mutter aus Sätzen „Mama nerv nich“ bestehen, hätte der Regisseur Stefan Geese mit Rücksicht auf das nicht jugendliche Publikum mehr Einfluss auf die Dialoge nehmen können. So erinnert dies an Reality-TV und lässt eher wenig Sympathie für Aziza aufkommen, wobei Ceci Chuh in anderen Filmen wie z. Bsp. „Von Mädchen und Pferden“ bewiesen hat, dass es ihr nicht an schauspielerischem Talent fehlt. Der Charakter der Mutter hingegen wirkt sehr authentisch. Vivien Daniel schafft es mit ihrer Ausstrahlung das ganze Kino mitzureißen, wodurch der eigentliche Hauptcharakter weniger zur Geltung kommt. So kann man sich bei Auseinandersetzungen einfacher in ihre Figur hineinversetzen und das Verständnis für die Tochter verfliegt mehr oder weniger.

Der Film folgt dem Motto: Das Beste zum Schluss. Das Ende ist überraschend und intelligent gemacht. Es wirft den Sinn des gesamten Films um und lässt den Zuschauer verwirrt zurück. Plötzlich war der Film doch nicht so eindeutig …? Das macht größtenteils den Reiz des Films aus, denn die Nachwirkungen bleiben dem Kinobesucher noch Stunden nach dem Film im Blut.

Das Publikum wird zum einen mit dem emotionalen Abgrund eines Jugendlichen konfrontiert und zum anderen dazu aufgefordert die offen gelassenen Details mit eigenen Interpretationen zu füllen, deswegen ist der Film nicht für Kinder unter 13 Jahren zu empfehlen. Möchten sie einen Film sehen der es schafft, sie zu unterhalten und gleichzeitig für den Rest des Tages zu beschäftigen? Dann sollten sie „umsonst“ auf keinen Fall verpassen!



STAUDAMM

Deutschland 2012
Regie: Thomas Sieben
Drehbuch: Thomas Sieben, Christian Lyra
Darsteller: Friedrich Mücke, Liv Lisa Fries, Dominic Raacke, Arnd Schimkat, Lucy Wirth u.a.
Länge: 88 Minuten
FSK: ab 12 J.

Altersempfehlung: ab 14 J.

Webseite/Trailer: http://www.staudamm-film.de

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Filmkritiker Workshop im Rahmen KULTUR MACHT STARK mit Schülern des Bertha-von Suttner-Gymnasiums

Das Drama „Staudamm“ vom Regisseur Thomas Sieben handelt nicht, wie so viele andere Filme, vom Amoklauf selbst sondern beschäftigt sich mit seinen Nachwirkungen und wie die Menschen, welche zurückgelassen wurden, damit umgehen. Es geht um Roman (Friedrich Mücke), der mit seinem Leben nicht wirklich klar kommt und aushilfsweise für einen befreundeten Anwalt (Dominic Raacke) die Gerichtsakten digitalisiert. Für den aktuellen Fall des Anwalts fährt Roman in ein Dorf in Bayern, um dort wichtige Unterlagen abzuholen. Leider verzögert sich deren Herausgabe sodass Roman erstmal da bleiben muss. Wie es das Schicksal will, lernt er Laura (Liv Lisa Fries) kennen, die in den Amoklauf, dessen Akten Roman bearbeitet, verwickelt war. Während Roman Stück für Stück dem Motiv des Täters näher kommt, lernt Laura mit ihrer Vergangenheit klar zu kommen. Oder doch nicht? Dieser nüchtern erzählte Film ist ein psychologisches Drama, also nichts für Romantiker oder Actionfans. Die gräulich stille Atmophäre im Dorf, die langsame Kameraführung und die Halbtotalen, die die manchmal nur angedeutete Mimik und die Emotionen der Protagonisten in den Vordergrund stellen, betonen die bedrückte und traurige Stimmung des Films, während er langsam an Fahrt gewinnt. Im Laufe des Films erkennt man Parallelen zwischen Roman und dem Amokläufer Peter, die frei zu interpretieren sind und viel Stoff zum Nachdenken bieten. Im Film gibt es wenig Musik und anders als in vielen anderen Dramen wäre das auch eher störend. Somit wird der Missmut und die Inakzeptanz des Geschehenen geschickt untermalt und auch die fortwährend harten Schnitte geben einen Eindruck der Endgültigkeit der Situation. Alles in allem ist dieses Drama eine feinfühlige und tiefenpsychologische Interpretation einer Nachwirkung solch eines Unglücks und überzeugt mit der Fülle der inneren Krisen und Kämpfe der Zurückgebliebenen, verpackt in einer äußerlich vermeintlichen Leere der Bilder und Darstellung.

Themen: Freundschaft, Schule, Kriminalität, Trauma, Gewalt, Schuld (und Sühne)
Unterrichtsfächer: Sozialkunde/Gemeinschaftskunde, Ethik, Religion, Psychologie, Deutsch, Kunst



VON MÄDCHEN UND PFERDEN

Deutschland/2014
Regie und Drehbuch: Monika Treut
Darstellerinnen: Ceci Schmitz-Chuh, Vanida Karun, Ellen Grell, Alissa Wilms
Länge:  85 Minuten
FSK:12
Altersempfehlung: ab 12 J.

Webseite/Trailer: http://www.maedchen-und-pferde.de

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Filmkritiker Workshop im Rahmen KULTUR MACHT STARK mit Schülern des Bertha-von Suttner-Gymnasiums

Das Leben ist kein Ponyhof, das merkt auch Alexa (Ceci Chuh) in „Von Mädchen und Pferden“. Nachdem sie die Schule abgebrochen hat, wird sie von ihrer Mutter wegen Drogeneskapaden und selbstverletzendem Verhalten zu einem Praktikum auf dem Reiterhof verdonnert. Eine letzte Chance für Alexa, um sich darüber klar zu werden, wie es weitergehen soll. Nach ein paar Tagen taucht Kathy (Alissa Wilms) auf. Sie hat gleich ihr eigenes Pferd mitgebracht und verbringt ihre Ferien auf dem Reiterhof. Zwischen den beiden ungleichen Mädchen entwickelt sich eine Freundschaft, die zunächst zerbrechlich scheint, am Ende aber doch stärker ist, als gedacht, genauso wie auch Alexa. Der neue Film von Monika Treut transportiert eine angenehme Stille, hervorgerufen vor allem durch eine ruhige Kameraführung und lange Kameraeinstellungen. Man möchte sich zurück lehnen und die Ruhe genießen, zu der man wohl ausschließlich in den so einsamen Landstrichen Norddeutschlands findet. Dennoch ist dem Zuschauer nie langweilig. Gefesselt von der inneren Entwicklung der Protagonistin und der sich entwickelnden Beziehung zwischen den beiden Mädchen, verfolgt man mit Spannung den Verlauf der Handlung. Licht und Farben im Film wirken sehr natürlich, nicht grell oder überladen, was ebenfalls über den Einsatz der Musik im Film zu sagen ist. Die manchmal nicht so authentischen Dialoge werden durch die Stärke der ruhigen Aufnahmen und durch den Teil der Geschichte, der in Gestik und Mimik liegt, wieder wett gemacht. Wir empfehlen den Film ab 12 Jahren und definitiv nicht (nur) für Pferdeliebhaber. Freunde des Ponyhofs erwartet hier definitiv kein typischer Pferdefilm, aber für alle ab 12 Jahren, die eine einfühlsam erzählte Geschichte über eine besondere Freundschaft erwarten, ist dieser Film genau das Richtige.